- vor 7 Stunden
Wie man via Social Media gezielt Wut anzapft, Logik schreddert und Menschen in die Sucht treibt: Der Sachcomic „Strong Men“ ist zum Fürchten gut

Die Stärke von Sachcomics variiert: Sie können Bekanntes verdeutlichen. Sie können Trockenes attraktiver gestalten. Sie können Unbekanntes vermitteln und Zusammenhänge aufzeigen, wie ein klassisches Sachbuch – und das ist die Stärke des erschreckenden Bandes „Strong Men“ von Meikel Mathias.
Gefeierter Körperklaus
Vom Thema „Manosphere“ haben wohl die meisten schon gehört, Jüngere und/oder Social-Media-Junkies sowieso, und eine absurde Facette davon kennt praktisch jeder: die Selbst-Inszenierung von Donald Trump als Super-Mann. Sie ist optisch und inhaltlich durch nichts gedeckt, wie kann man also überhaupt auf die Idee kommen, diesen Körperklaus abzufeiern? Auf dem Rückcover bringt Mathias es auf den Punkt...

Ein Mann sitzt auf einem Pferd. Ein anderer Mann übertrumpft ihn auf einem größeren Pferd – aus Holz. Also eigentlich überhaupt nicht. Und doch wird dieses Übertrumpfen durch schiere Behauptung derzeit weltweit praktiziert. Wie geht das??? Mathias erklärt’s. Es braucht ein bisschen Geduld, er fängt bei den alten Griechen an, beim Männlichkeitsvorbild Alexander. Aber relativ schnell kommt er zum Fall Andrew Tate.
Internet-Imperium aus Rumänien
Ein Zuhälter und Frauenschläger, der nach Rumänien geflohen ist und dort sein Internetimperium betreibt: Er schickt Frauen vor die Kamera. Nebenher gibt er Männlichkeitsseminare, in denen man für teuer Geld Videos kauft, die sagen, dass es Zeitverschwendung ist, im Internet für teuer Geld Videos zu kaufen. Verglichen mit Alexanders Leistung (Weltreich) klingt das reichlich dürftig, oder? Wieso klappt das?
Auftritt Charles Atlas.

Atlas ist der klassische Merchandising-Bodybuilder, er ist der Typ hinter den Comic-Kleinanzeigen in den 50/60ern, die Jungs zu Muskelmännern pimpen sollten. Atlas zeigte, wie man ein echter, männlicher Amerikaner wird, und er musste es wissen, weil er selbst keiner war: Geboren wurde Atlas als Angelo Siciliano in Agri, Süditalien. Das Geschäftsmodell war dasselbe: Man verkauft den Wunsch, dazuzugehören und bei Frauen anzukommen. Den Wunsch, wohlgemerkt. Über Erfolge ist bei Atlas nichts bekannt.
Sicherheitslücke in der menschlichen Software
Warum ist diese Sehnsucht so easy anzuzapfen? Das ist so erklärbar (Wunschtraum vom Sex-Appeal) wie unerklärbar (superdurchsichtig). Eine kaum reparierbare Sicherheitslücke in der menschlichen Software. Auch Mathias gibt die Ursachenforschung auf, was erst ärgert, dann einleuchtet: Tate und Co. suchen genausowenig nach Ursachen, im Gegenteil. Steve Bannon, Wahlkampfmanager von Trump, sah neben dem immensen Wutpotential vor allem genau das: Dass Logik verzichtbar ist.
Ab hier wird es wirklich gruslig.

Denn dadurch verlassen wir die Welt der Argumentation. Und tauchen in die Welt der Provokation. Jetzt heißt die Währung nicht mehr „Argument“, sondern „Aufmerksamkeit“. Ja, jeder kennt wohl Shitstorms, Trollen, viele unangenehme Folgen digitaler Kommunikation, aber Mathias zeigt das System und die Energie dahinter auf. Eine Ahnung bekommt, wer mal Mathias' Beispiele im Netz betrachtet. Sie sind superleicht zu finden, meist beim (schön mitverdienenden) Youtube, und sie haben Klickzahlen, dass einem himmelangst werden kann. Weil es zeigt, dass in vielen Bereichen Debatten kaum noch möglich sind.
Erfundenes und Reales werden austauschbar
Hier ist die gemeinsame Basis der Logik ausgehebelt. In dieser bizarren Welt zählt Scheiße genausoviel wie ein überlegtes Argument. Wie der „White Power Gruß“ zeigt: Eine reine Erfindung rechter Trolle, die von den Medien genauso aufgegriffen wurde wie von rechten Schwachköpfen. Die den erfundenen Gruß durch schiere Blödheit in die Realität überführten und nicht mehr ablegen. Erfundenes und Existierendes werden austauschbar.

Genauso wie Denken und Wie-denkend-Aussehen: Man übt einfach, das „Sigma-Face“ aufzusetzen, das reicht. Genau diese Austauschbarkeit war ja auch das erklärte Ziel von Steve Bannon: „Flood the zone with shit“, überschwemme die öffentliche Debatte mit Scheißdreck, bis in der Brühe nichts mehr unterscheidbar ist. Dann ist zwar dein Scheißdreck nicht besser, aber trotzdem plötzlich konkurrenzfähig.
Klug wirken dank „Sigma-Face“
Wie man ein derart beschissenes Produkt vertreten kann, gehört ebenfalls zu den Mysterien der braunen neuen Welt. Aber die Frage ist auch: Ist die Zustimmung real? Wieviel von dieser Aufmerksamkeit ist echt? Der „Gold-Digger Prank“ ist dafür ein spannendes Beispiel.

Der Ursprung ist ein 8-Minuten-Video, in dem ein Mann eine Frau plump anmacht. Sie weist ihn ab, bis sie sein teures Auto sieht. Jetzt will sie plötzlich dringend was mit ihm anfangen, aber: Jetzt weist, haha, er sie ab. Inzwischen gibt es einen Youtube-Kanal, der von diesem Video 1500 weitere Varianten vorhält. Diese magazinartigen Beiträge sind inzwischen über eine Stunde lang, in jedem werden rund zehn Frauen abgefertigt, die erkennbar gecastet sind. Die Handlung hat ein paar Optionen mehr, aber letztlich stellen alle Frauen sich als geldgierige Schlampen heraus. Jedes Video hat sechsstellige Klickzahlen.
Zehntausend geldgeile Schlampen
Ist das vorstellbar? Zehntausend Mal derselbe Gag mit Dialogen auf Porno-Niveau? Wer schaut das an? Wenn wir Glück haben: nur Bots. Wenn wir Pech haben, sind große Teile der Menschheit bereits tatsächlich in diesem Zustand. Übrigens nicht nur der männlichen Menschheit: Frauen lassen sich ähnlich abzocken, aussaugen, für dumm verkaufen oder als „Tradwife“ am Männerwahn beteiligen.
Es ist zum Fürchten.
Meikel Mathias, Strong Men, avant-verlag, 26 Euro
Sie wollen Ihren Senf dazugeben? Dann hier:
- 23. Aug.
Die heimlichen Bestseller (V): Opulente Optik, turbulente Wendungen – wie „Skarbek“ geschickt über seine Schwächen hinwegunterhält

Deutschland ist kein Comicland? Stimmt so nicht. Viele Comic-Schlager bleiben unterm Radar, weil sie nie durch die Decke gehen. Stattdessen druckt der Verlag nach... und nach... und nach... ein paar Jahre später ist man bei Auflage 12 und hat am Ende mitunter fünfstellig verkauft. Der Comicverführer stellt die heimlichen Bestseller vor.
Ein Schuss Erotik, zwei Schuss Exotik
„Skarbek“ wird gerade in der ersten Auflage verkauft, eigentlich passt das nicht in die Serie, aber: Nur die Gesamtausgabe erscheint gerade neu. Seit 2006 gab es den Zweiteiler einzeln, jetzt geht der Verlag (obacht, Wortspiel!) aufs Ganze. Verständlich, denn „Skarbek“ ist eine richtige Räuberpistole. Und das sogar in doppelter Hinsicht. Denn einerseits steckt in den über hundert Seiten ein opulenter Kracher, mit viel Atmosphäre und Radau, einem Schuss Erotik und zwei Schüssen Exotik. Aber andererseits vermeidet das Racheepos immer wieder die gefährlichsten Untiefen.

Im Grunde ist „Skarbek“ eine Graf-von-Monte-Christo-Erzählung. Der polnische Graf Skarbek kommt 1843 nach Paris, knüpft dort Kontakte in die Kunstszene und enthüllt: Er besitzt über 200 Bilder des toten Malers Louis Paulus. Eine Sensation, denn eigentlich ging man davon aus, alle Paulus-Bilder wären bekannt und gehörten dem Kunsthändler Northbrook. Doch um genau den geht es Skarbek.
Der Graf ist nicht der Graf ist doch der Graf?
Er könnte mit seinen Bildern den Markt überschwemmen und den Preis ins Bodenlose senken. Doch er will etwas anderes: Northbrook ruinieren. Seine Kunden sollen ihn verklagen, weil er fälschlicherweise behauptete, er hätte alle Paulusbilder. Sein Plan gelingt, und vor Gericht enthüllt Skarbek natürlich, er sei … Paulus selbst. Der nicht tot ist, sondern sich nach Amerika absetzte und dann – von Piraten entführt wurde!

Man könnte jetzt denken: „Jaaa klar, Alter, Piraten. Geht’s noch?“ Denkt man aber nicht. Das Szenario von Yves Sente blendet zu grell. Der Graf etwa muss sich überhaupt nicht einführen, weil das für uns zwei Ausstellungsbesucher aus dem Off tun, der Graf muss nur durch die großartige Hafenlandschaft, die Stadt, die Villen und Galerien stolzieren. Und weil's auch noch ein Gerichtsthriller ist, schluckt man wie ein braver Zuschauer jede Wendung und Windung. Nicht neu, viele Taschenspielertricks, aber gut vorgeführt.
Motto: Rechtzeitig den Schauplatz wechseln
Die wunderbare Kunst von Paulus – wir sehen sie nicht wirklich. Es sind recht viele nackte Frauen dabei, deutlicher wäre platt, und Sente mag die immer wieder auftauchende Erotik gerade eben nicht breitwalzen. Wie er überhaupt nirgends zuviel Zeit verbringt: Nicht im Gerichtssaal, nicht in den Palästen, den Ausstellungen. Vielleicht schätzt er auch die Fähigkeiten seines Zeichners korrekt ein.

Grzegorz Rosinski zeichnet keinen supersauberen frankobelgischen Stil, und wenn es manchmal präzise sein soll, gelingt das gar nicht so gut. Aber Hafengetümmel, vollbesetzte Gerichtssäle, Nacht- und Nebel, Schlachtgewimmel, Straßenszenen, die Karibik, da blüht er richtig auf und Sente gibt ihm dazu reichlich Gelegenheit.
Weniger Text, mehr für die Augen
Immer wieder schaltet er Panels ohne Text dazwischen, erzählt aus dem Off – beide rücken ihre Stärken geschickt in den Vordergrund. Und deshalb können sie sich viel erlauben: Der Graf ist der Maler ist...der Mörder oder nicht, wir sind in einem bizarren Piratenpalazzo in der Karibik und Fréderic Chopin und Alexandre Dumas müssen auch noch mit rein.

Wohlgemerkt: Man checkt sehr wohl, dass da arg dick aufgetragen wird. Aber es unterhält einen eben so gut. Weil man sich in dieser künstlichen Umgebung gern aufhält: Sie erinnert an Straßenszenen oder Landschaften in Museen – bietet aber dazu eine muntere Geschichte.
Sie wollen Ihren Senf dazugeben? Dann hier:
- 16. Aug.
So viele schwermütige Themen! Und alle irgendwie wichtig! Kurz und schmerzlos: Was muss man lesen, was kann man weglassen?

Ich weiß ja nicht, wie's Ihnen geht, aber ich hätte jetzt gern was Unterhaltsames. Dürfte auch unpolitisch sein, man mag ja die Zeitung schon gar nicht mehr aufschlagen. Aber was kommt grad eimerweise neu auf den Comicmarkt? Ernst und ernst und noch ernster. Und die Themen sind ja auch alle wichtig und sinnvoll, aber man hat so absolut null Bock drauf.
Und doch: Wir sind ja erwachsen, oder? Wir laufen nicht vor den Dingen davon, nicht wahr?
Also bringen wir's hinter uns, wie Erwachsene eben. Kurz und schmerzarm. Muss ja. Und außerdem wird sich zeigen: Manches kann man durchaus weglassen
Das Runde muss ins Vergitterte
Wann kriegen wir eigentlich mal wieder eine Fußball-WM in einem Land ohne Todesstrafe? Ohne die Maklervisage Infantino, bei der man jedesmal als erstes denkt: Das Runde muss ins Vergitterte! Man hat schon gar keine Lust mehr, einzuschalten – und genau deshalb ist „Eine kurze Geschichte des Fußballs“ so besonders: Weil sie nicht blind feiert, sondern genau diesen Gedanken sofort ausspricht. Und dann die Wurzeln des Fußballs ausleuchtet. Vom Bauernsport zum Adelsspaß zum Arbeitervergnügen zur Möglichkeit, dem Überwachungsstaat etwas zu entkommen – man erfährt eine Menge Unbekanntes. Russland, Brasilien, Argentinien und Ägypten kriegen Extrakapitel, und nur manchmal wird zuviel Maradona und Pelé gefeiert. Der Fließtext verteilt sich sehr locker über die Illustrationen von Lelio Bonaccorso, das sieht gut aus und liest sich angenehm, auch weil die Szenaristen Mickaël Correia und Jean-Christophe Deveney dankenswerterweise kaum Dialoge oder Spielszenen erfinden. Man kann also auch im WM-Geldverdientaumel das Thema „Fußball“ aufgreifen, ohne den Kopf auszuschalten. Sehr gut. Weiterspielen!
Die Folgen der Neutralität

Jaja, Spanischer Bürgerkrieg. Schon wieder. Warum? Weil’s zuletzt ums Danach ging. Jetzt aber, in „Kriegsfotografen“, geht’s ums Davor und ums Weshalb und unser Jetzt. Und das nicht nur, weil die Protagonisten Deutsche sind.
„Das ist auch unser Krieg“
Szenarist Raynal Pellicer und Zeichner Titwane (Pierre-Antoine Thierry) liefern ein Doppel-Biopic: die Story der Pressefotografen Hans Namuth und Georg Reisner, die 1936 in Spanien die linke Alternative zu Hitlers Olympia ablichten wollen. Doch dann putscht das Militär unter dem Faschisten Franco. Die gewählte Regierung wehrt sich, man könnte jetzt wieder heimfahren, weil: Sport fällt ja aus. Aber Namuth/Reisner bleiben, weil „das auch unser Krieg ist“. Wie recht sie damit haben, zeigt sich bald.

Zunächst vergiftet der Krieg nur die Spanier. In Barcelona wird der Putsch niedergeschlagen, es kommt landesweit zu Gewaltexzessen, bei denen man nicht nur Putschisten hinrichtet, sondern auch Haus- oder Landbesitzer. Um sich deren Besitz zu krallen. Aber die Kämpfe enden nicht: Francos Truppen werden von Hitler und Mussolini massiv unterstützt. Europas Demokratien hingegen verhalten sich strikt neutral. Das hat fatale Folgen.
Zerrieben zwischen Stalin und Hitler
Die Sowjetunion wird einziger Waffenlieferant der Republik. Und mit diesem Machthebel krempelt sie sofort die republikanische Seite um. Es wird durchgesäubert, stalinistisch-skrupellose Statthalter werden installiert – was für Demokraten genauso inakzeptabel ist. Die republikanischen Kräften spalten sich und unterliegen.

Ab hier ist ein demokratisches Ende des Bürgerkriegs unmöglich. „Kriegsfotografen“ dröselt das sachlich auf, illustriert mit Titwanes Varianten von Namuth/Reisner-Fotos. Es stimmt: Der Krieg der Spanier war tatsächlich auch ihrer. Nach dem Ende verschwindet ihr Exil auf Mallorca, das freie Frankreich, die Sicherheit in ganz Europa. Und die USA sind kaum noch zu erreichen. Das Raushalten der Demokratien war die falsche Option.
Heißes Thema lauwarm serviert

Menschen ohne Papiere haben es schwer. Klar. Aber warum haben sie keine Papiere? Die Gründe sind unterschiedlich, weshalb B. Traven in „Das Totenschiff“ dafür sorgte, dass seinem Protagonisten die Papiere geklaut werden: Er wollte jemanden, der unschuldig in Not ist. Welche Protagonisten wählen nun Jonas Seufert und Lisa Frühbeis in „Schattenleben“?
Das Problem erklärt an: Leuten ohne Problem
Brienne erfuhr in Thailand als Prostituierte, dass man in Deutschland viel mehr verdienen könnte, wenn man sich bei zwielichtigen Typen über 20.000 Euro verschuldet. Charlotte musste irgendwann Kamerun verlassen, weil sie nicht „in Kamerun bleiben“ konnte (Begründung fehlt). Dâu reiste zum Studieren ein, wusste aber nicht, dass man hier auch Miete zahlen muss. Nasir ließ seine vorhandenen Papiere (!) ablaufen. Ein Mix aus Missbrauch, Behördenbeton und viel Sorg- und Ahnungslosigkeit plus Selbstmitverschulden. Und trotzdem, trotz der blöden Bürokratie sind alle vier heute – noch immer in Deutschland? Und in einer weit besseren Lage als zuvor?!? Hä?!? Um für ein Problem zu interessieren, das „Hunderttausende“ betrifft, nehmen wir vier Leute, die kein Problem mehr haben? Da muss der alte Boulevardjournalist einfach fragen: Gab’s wirklich keine besseren Beispiele?
Zum Lesen zuwenig

Ich bin ein bisschen baff. Vor mir liegt „Al Fazia“, eine Comic-Reportage von Tobi Dahmen über und mit Akram Al Saud, der aus Syrien geflohen ist. Ein Bericht aus syrischen Gefängnissen, ein wichtiges, grauenhaftes Thema. Trotzdem nur ein schmaler Band, 120 Seiten. Und dann endet der Comic selbst schon auf Seite 77. Hä?!?
Ist's Materialmangel? Wohl kaum: Ich habe hier „Hakim’s Odyssey“ vorgestellt, Fabien Toulmé hat drei Bände prall gefüllt. Die irrsinnige, grundlose Folter, die endlose Ungewissheit im Gefängnis, die noch unlogischere Freilassung, das Durchschlagen danach, die mühsame Flucht, das noch mühsamere Organisieren des Geldes dafür, die Frustration, die Depression. Vieles davon findet sich auch in „Al Fazia“, aber hier wirkt es wie ein Schnelldurchlauf.
70 Seiten Comic, 50 Seiten Anhang
Etwas mehr Zeit widmet Dahmen der Folter und der sardinendosenartigen Haft, aber schon die Entlassung, die danach wie ein Wunder gewirkt haben muss, scheint kaum wichtig. Al Saud flieht nach Aleppo, als die Bombardements dort unerträglich werden, rettet er sich via Schlepper nach Griechenland, das ist in fünf Seiten erledigt, war wohl nicht so schwer. Oder nicht so interessant. Aber dezidiert noch uninteressanter ist: der 48(!)-seitige, extrem luftig gesetzte Anhang danach.
Das Fotoalbum zum „Making of“?
Neun (!) große Fotos von Dahmen mit Al Saud, ein Fremdwörterbuch. Vieles wird nochmals erläutert, Dahmen wiederholt, was er schon im Comic sagt. Alle verraten, was sie wann wie gedacht haben, und zuletzt hagelt es vier Seiten Danksagungen und Schulterklopfen im Kreis herum. In einem Halbsatz erwähnt Dahmen, er hätte „nur 30 Seiten“. Jetzt sind’s zwar 72, aber immer noch zum Lesen zu wenig. Darf man das so sagen? Man darf: Auch Barbara Yelin hatte für „Emmie Arbel“ erst nur 40 Seiten, die sie dann aber zu einer sehens- und lesenswerten Comicbiografie mit 160 Seiten ausarbeitete. Es geht also besser, und die Herausgeber von „Al Fazia“ sollten es wissen: Es sind dieselben.
Sie wollen Ihren Senf dazugeben? Dann hier:

